TD Securities warnt: Sollte Gold zwei Unterstützungsniveaus durchbrechen, könnte der Ausverkauf beschleunigt werden
Gold hat zuletzt einen Teil seiner Gewinne zurückgegeben, bleibt jedoch im Bereich der Edelmetalle weiterhin relativ stark. Die Rohstoffanalysten Ryan McKay und Bart Melek von TD Securities stellten in ihrem Bericht am Donnerstag fest, dass weder der erneute Anstieg der Energiepreise noch die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung durch die Federal Reserve die relative Performance von Gold im Vergleich zu anderen Edelmetallen verändert haben.
Die beiden Analysten erklärten, dass Gold derzeit das höhere Preisniveau halten kann, allerdings werden die kommenden Datenveröffentlichungen und Marktnachrichten, insbesondere die Inflationsdaten, zu wichtigen kurzfristigen Preistreibern.
TD Securities richtet besonderes Augenmerk auf zwei Preismarken. Die Analysten schreiben, dass bei einem Unterschreiten des Goldpreises von 4.367 US-Dollar pro Unze Commodity Trading Advisors (CTA) zu moderaten Verkäufern werden könnten; bei einem weiteren Unterschreiten von 4.300 US-Dollar pro Unze könnten systematische Fonds zu großflächigen Verkäufen tendieren.
Kurzfristiger Druck bedeutet jedoch nicht, dass der langfristige Antrieb verschwindet. TD Securities ist der Ansicht, dass ein wiederkehrendes Thema der US-Dollar-Abwertung, anhaltend hohe Zentralbankkäufe und eine erneute ETF-Nachfrage starke Faktoren für die Goldpreisentwicklung sind.
„Starke Daten und eine hawkishe Federal Reserve könnten lediglich kurzfristige moderate Verkäufe auslösen und den nächsten Aufwärtstrend verzögern, statt einen nachhaltigen Preisrückgang zu verursachen,“ schreiben McKay und Melek.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels handelt Spot-Gold bei etwa 4.327 US-Dollar/Unze.
Warshs hawkishe Haltung belastet Gold kurzfristig
Die jüngsten Äußerungen von Kevin Warsh, Vorsitzender der Federal Reserve, sind laut TD Securities ein wichtiger Faktor für die Einschätzung der kurzfristigen Risiken beim Goldpreis.
Melek erklärte in einer ausführlichen Analyse in der vergangenen Woche, dass Warshs hawkisher Ton auf der Jackson Hole-Konferenz kurzfristig einen erheblichen Gegenwind für Gold bedeuten könnte.
Warsh warnte damals, dass die Inflation nicht überzeugend gesunken sei und die politischen Entscheidungsträger sicherstellen müssten, dass die Inflation auf das Ziel von 2% zurückkehrt. Er betonte, dass dieses Ziel standhaft und fixiert sei. Außerdem meinte er, die aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen seien nicht restriktiv.
Melek hob hervor, dass Warsh der Ansicht ist, „die Daten helfen nicht dabei, den hohen Preisindex für Konsumausgaben und die CPI-Inflationsrate zu zähmen“, und dass steigende Energiepreise sowie eine weiterhin starke Wirtschaft zeigen, dass die grundlegenden Faktoren für steigende Gesamtpreise bestehen bleiben.
Der Markt hat daraufhin seine Erwartung bezüglich des Zinspfads der Federal Reserve deutlich angepasst. Melek erklärte, dass Anleger nun eine Zinserhöhung im September und Dezember für wahrscheinlich halten, was eine wesentliche Veränderung gegenüber den Erwartungen vor Warshs Rede darstellt.
Kurzfristig möglicherweise Kursziel 4.200 US-Dollar, langfristig bleibt das Ziel bullish
Melek ist der Ansicht, dass Gold kurzfristig weiter sinken könnte, auch wenn der US-Dollar weiterhin unter Druck steht.
Er schreibt, dass die Federal Reserve ihre Verpflichtung zur Preisstabilität entschlossen erneuert hat und Geldpolitik das effektivste Werkzeug bleibt, um dieses Ziel zu erreichen. Das bedeutet, der Markt ignoriert aktuell möglicherweise vorübergehend das Argument für einen abgewerteten US-Dollar.
Zuvor hatten Händler den Goldpreis durch die Lockerung finanzieller Rahmenbedingungen infolge des Eingreifens des Finanzministeriums in die langfristigen Anleihemärkte nach oben getrieben. Melek meint, dass nach dem Nachlassen dieses Faktors Gold einen Teil der jüngsten Gewinne zurückgeben und bis Jahresende auf das untere Ende der aktuellen Handelsspanne von 4.200 bis 4.700 US-Dollar pro Unze fallen könnte.
Er weist zudem darauf hin, dass die höheren Zinsen am Front-End der Kurve etwaige finanzielle Verbesserungen durch Liquiditätsmaßnahmen des Finanzministeriums am langen Ende ausgleichen sollten.
Melek glaubt, dass die Haltung des Federal Reserve-Präsidenten aktuell etwas hawkisher ist als im Juli. Die Wirtschaft entwickelt sich relativ gut, während die Inflation weiterhin über dem Ziel liegt; der Markt hat mittlerweile zwei Zinserhöhungen im September und Dezember eingepreist.
Sollte sich der Ölmarkt wieder ausgleichen und die höheren Zinsen die Gesamtnachfrage schwächen, wodurch die Inflation schließlich stabilisiert, dürfte die Federal Reserve mehr Vertrauen gewinnen, ihre straffe Politik zu lockern, um das Ziel der Vollbeschäftigung zu erfüllen. Melek erwartet, dass diese Entwicklung letztlich den Goldpreis in Richtung des TD Securities-Ziels von 5.350 US-Dollar pro Unze im dritten Quartal 2027 unterstützen wird.
Zentralbanken, institutionelle Investoren und Einzelinvestoren im physischen Gold könnten ebenfalls als Katalysatoren für die nächste Aufwärtsbewegung fungieren. Melek geht davon aus, dass diese Anleger Gold weiterhin als attraktives Instrument zur Portfolio-Diversifizierung betrachten und möglicherweise auf günstigere Einstiegspreise warten.
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