Der Dow Jones unterschreitet zum ersten Mal seit fünf Monaten die 50-Tage-Linie, technisches Warnsignal ausgelöst
Der Dow Jones Industrial Average fiel am Dienstag unter einen wichtigen technischen Unterstützungsbereich und sendete damit eine Warnung, dass sich der Markttrend möglicherweise umkehrt; die jüngste Schwäche an den Aktienmärkten ist somit nicht mehr nur gewöhnliche Volatilität.
Der Dow sank am Tag um 0,8 % und schloss bei 52.766,88 Punkten – zum ersten Mal seit fast fünf Monaten unter seinem 50-Tage gleitenden Durchschnitt. Laut Daten von FactSet befand sich dieser Durchschnitt am Tag bei 52.849,85 Punkten. Gleichzeitig fielen auch der S&P 500 und der Nasdaq Composite, beide konnten sich nur knapp – jeweils weniger als 1 % – über ihren eigenen 50-Tage-Durchschnitt retten.
Marktanalysten warnen: Sobald der 50-Tage-Durchschnitt signifikant unterschritten wird, deutet dies oft auf einen kurzfristigen Trendwechsel von Aufwärts- zu Abwärtsbewegung hin und könnte technische Verkäufe auslösen, die den Abwärtstrend verstärken.

Die aktuelle Abwärtsbewegung wird von verschiedenen Faktoren begleitet: Angespannte Lage im Nahen Osten treibt die Ölpreise, hartnäckige Inflation belastet Verbraucher, und das stetig wachsende US-Staatsanleihenvolumen führt zu steigenden langfristigen US-Renditen. Diese geballte Belastung setzt die Märkte unter Druck. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liegt aktuell bei 4,809 %, einige Analysten warnen bereits, dass die 5 %-Marke bald erneut getestet werden könnte – vor allem für den zinssensiblen Technologiesektor ist dies problematisch.
50-Tage-Durchschnitt unterschritten, technisches Signal dreht
Der 50-Tage gleitende Durchschnitt wird weltweit als technisches Hilfsmittel zur Verfolgung kurzfristiger Trends von Aktien oder Indizes genutzt. Wenn ein Wert nach längerer Zeit über diesem Durchschnitt plötzlich darunter fällt, gilt das meist als Warnsignal für einen Trendwechsel von Aufwärts- zu Abwärtsbewegung.
Mike O'Rourke, Chief Market Strategist bei JonesTrading, betonte: Wenn der 50-Tage-Durchschnitt oder andere von Marktteilnehmern beachtete gleitende Durchschnitte durchbrochen werden, "kann kurzfristige Dynamik in Richtung des Durchbruchs entstehen, da einige technische Trader und quantitative Modelle entsprechend darauf setzen."
Der Dow hatte seit dem 11. April kontinuierlich über dem 50-Tage-Durchschnitt geschlossen, und diese Unterstützungszone hielt sowohl bei den Rücksetzern im Juni als auch im Juli stand. Besonders knapp war es am 29. Juli – der Dow schloss damals nur 2 Punkte über dem Durchschnitt, aber genau dieses Halten bestätigte die Wirksamkeit der Unterstützung. Danach stieg der Dow innerhalb von fünf Handelstagen um 2.291 Punkte, was einem Anstieg von 4,4 % entspricht, und erreichte am 5. August mit 54.349,12 Punkten ein Allzeithoch.
Zuletzt hatte der Dow am 10. April unter dem 50-Tage-Durchschnitt geschlossen: Dies markierte das Ende einer damaligen Korrekturphase. Zum Handelsschluss am Dienstag steht der Dow nur 2,9 % unter seinem historischen Höchststand, aber es ist gleichzeitig das niedrigste Schlussniveau seit dem 31. Juli.
Zinsdruck als Kernvariable
Adam Turnquist, Chief Technical Strategist bei LPL Financial, sagte im Interview mit Marktbeobachter: "Das größte Problem derzeit sind die Zinsen." Er erklärte, die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liege bei 4,8 %, "und ich sehe, dass wir den 5 %-Markt erneut testen – das wäre besonders problematisch für den Technologiesektor."
Der aktuelle Anstieg der US-Staatsanleihenzinsen wird sowohl von dauerhaft hohen Inflationsdaten als auch dem immer größer werdenden US-Staatsverschuldungsvolumen angetrieben. Höhere langfristige Zinsen erhöhen nicht nur die Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen, sondern bieten Investoren auch attraktive "sichere" Alternativen und schwächen die relative Attraktivität von Aktien.
Gleichzeitig sorgt die angespannte Lage im Nahen Osten für zusätzliche Unsicherheit an den Märkten. Die internationalen Ölpreise steigen, was in Verbindung mit der noch nicht vollständig abgeklungenen Inflation den Verbraucher zusätzlich belastet.
S&P und Nasdaq ebenfalls in Gefahr
Der Dow steht nicht alleine unter Druck. Am Dienstag fiel der S&P 500 Index um 0,7 % und schloss bei 7.631,47 Punkten – nur etwa 0,8 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 7.570,61 Punkten. Der Nasdaq Composite Index sank um 1,0 % und schloss bei 26.099,77 Punkten, mit lediglich 0,6 % Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 25.954,52 Punkten.
Beide Indizes befinden sich am kritischen Rand ihres 50-Tage-Durchschnitts. Sobald sie dem Dow folgen und diese Unterstützung unterschreiten, könnten weitere Verkäufe durch quantitative Modelle und technische Investoren ausgelöst werden und den kurzfristigen Druck auf den Markt verstärken.
Der Dow hatte am 10. Februar mit 50.188,14 Punkten einen damaligen Rekordschlusswert erreicht, fiel daraufhin um insgesamt 5.012,50 Punkte – etwa 10 % – und erreichte am 27. März mit 45.166,64 Punkten ein Siebenmonats-Tief. Marktteilnehmer datieren das Ende dieser Korrektur auf den 10. April, als der Dow wieder über den 50-Tage-Durchschnitt zurückkehrte. Danach stieg der Dow über 20 % und erreichte am 5. August ein neues historisches Hoch. Ob die aktuelle Lage eine ähnlich tiefgreifende technische Korrektur wie damals nach dem Durchbruch auslöst, bleibt abzuwarten.
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