Ölpreisschock trifft die Luftfahrtbranche! Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair warnt: Kerosinpreise könnten im kommenden Winter auf 140 US-Dollar steigen, Flugkapazitäten werden reduziert, um Gewinne zu sichern
Der Energieschock wird zunehmend von den Rohstoffmärkten auf die Realwirtschaft übertragen, wobei die Luftfahrtbranche als Erste Druck verspürt.
Am Mittwoch berichteten Medien, dass Europas größte Billigfluggesellschaft, Ryanair, angekündigt hat, ihre Kapazitäten für den Winter zu reduzieren und davor gewarnt hat, dass bei weiterhin hohen Kerosinpreisen die europäische Luftfahrtbranche mit größeren Kostenbelastungen rechnen muss und die Preise für Kurzstreckenflüge in Europa im kommenden Jahr „substanziell steigen“ könnten.
Ryanair erklärte, dass das Unternehmen derzeit etwa 80% seines Kerosinbedarfs abgesichert hat und damit eine der am stärksten abgesicherten Fluggesellschaften der Branche ist, dennoch bleibt eine nicht abgesicherte Position, die einem Kerosinpreis von 140 US-Dollar pro Barrel entspricht. In diesem Umfeld hoher Ölpreise hat die Firma beschlossen, die Winterflüge aktiv zu reduzieren, um die Treibstoffkosten zu senken. Man erwartet dadurch Einsparungen von 70 bis 100 Millionen Euro (etwa 81 bis 116 Millionen US-Dollar).
Diese Entscheidung sendet ein besonders beachtenswertes Signal: Wenn Fluggesellschaften bereits einen Großteil ihrer Treibstoffkosten abgesichert haben und dennoch ihre Kapazitäten reduzieren müssen, um den Gewinn zu schützen, ist der Einfluss der Energiepreise auf die Unternehmensentscheidungen längst nicht mehr nur ein Thema auf dem Rohstoffmarkt, sondern beeinflusst die reale Wirtschaft.
Darüber hinaus stehen die Luftfahrtunternehmen nicht nur unter Druck aufgrund steigender Rohölpreise. Die zunehmende Unsicherheit im Hormus-Gebiet treibt gleichzeitig die Preise für Benzin, Diesel, Kerosin und europäisches Erdgas in die Höhe, sodass Unternehmen die Kostenbelastungen nicht allein durch sinkende Rohölpreise mildern können. Brent-Rohöl liegt immer noch bei rund 95 US-Dollar pro Barrel, mit einem Anstieg von über 55% im laufenden Jahr.

Kerosinkosten steigen rasant, selbst bei hoher Absicherungsquote keine Isolation
Die Kürzung der Kapazitäten durch Ryanair macht anschaulich, wie sich die Energiepreise auf die Gewinnseite der Luftfahrt übertragen.
Obwohl das Unternehmen etwa 80% seines Kerosinbedarfs abgesichert hat, ist der verbleibende Teil weiterhin dem hohen Ölpreis ausgesetzt. Anstatt alle Flüge bei hohen Treibstoffkosten aufrechtzuerhalten, hat Ryanair entschieden, die Kapazitäten aktiv zurückzufahren, um mehr Spielraum für Kosten und Gewinn zu schaffen.
Jeff Currie, Senior Advisor der Carlyle Group und bekannter Rohstoffanalyst, hat zuvor gewarnt, dass der Markt die Belastungen im Raffinerieproduktmarkt unterschätzen könnte. Am 18. August sagte er in einem Interview, dass sich der Fokus nicht nur auf den Rohölpreis richten sollte, da Verbraucher tatsächlich Benzin, Diesel und Kerosin nutzen und die Angebots- und Nachfragebedingungen auf dem Markt für raffiniertes Öl „deutlich problematischer“ sind.
Das bedeutet, dass selbst bei einem Rückgang der Rohölpreise die Kostenbelastung für die Luftfahrt nicht unbedingt gleichzeitig sinkt.
Schwankende Hormus-Lage, Energieschock weitet sich von Rohöl auf raffiniertes Öl aus
Die Situation in der Straße von Hormus bleibt die entscheidende Variable für den aktuellen Anstieg der Energiepreise. Immer wieder scheitern Verhandlungen über die Durchfahrt, wodurch die Erwartungen auf eine rasche Entspannung kontinuierlich enttäuscht werden.
Rich Privorotsky, Leiter des One Delta Trading bei Goldman Sachs, wies in seinem täglichen Kundenbrief am Dienstag darauf hin, dass nach jedem Ölpreissprung häufig Interventionen, diplomatische Bemühungen oder andere Entspannungsversuche folgten. Doch zuletzt gab es neue Entwicklungen: Die USA griffen iranische Ziele an, während die Ölpreise bereits gestiegen waren und sich in Handelszeiten befanden, was die Sorgen am Markt weiter verstärkte.
Bemerkenswert ist zudem, dass der Schock nicht mehr auf Rohöl beschränkt ist. Privorotsky betonte, dass selbst wenn die USA später Maßnahmen zur Deeskalation ergreifen, Rohöl nur ein Teil des Problems bleibt, da die Preise von Destillatölen, Gasöl, Diesel und europäischem Gas bereits wichtige Schwellenwerte überschritten haben.
Für Fluggesellschaften bedeutet dies, dass nicht nur Brent-Rohöl im Blick behalten werden muss, sondern vielmehr die weiter anhaltende Belastung der Raffinerie- und Produktmärkte für den Kerosinpreis.
Niedrige US-Strategischerölreserve, begrenzter Spielraum für politische Puffer
Der anhaltende Anstieg der Ölpreise setzt auch die US-Regierung unter immer größeren Druck.
US-Energieminister Chris Wright erklärte am Dienstag, dass am Montag noch etwa 17 Millionen Barrel Rohöl durch die Straße von Hormus transportiert wurden – das entspricht keine signifikante Abnahme im Vergleich zum vor der Krise typischen Tagesdurchschnitt von etwa 20 Millionen Barrel. Privorotsky hält diese Daten jedoch weiterhin für stark umstritten.
Finanzminister Bessent sagte außerdem, dass die Straße von Hormus durch die schrittweise Umleitung von Landpipelines in zwei Jahren „wertlos“ werden könnte.
Kurzfristig betrachtet hat die US-Regierung jedoch nur begrenzten Spielraum für politische Puffer. Die strategischen Ölreserven der USA sind inzwischen auf etwa 286 Millionen Barrel gesunken – weit entfernt von der maximalen Kapazität von rund 730 Millionen Barrel und nahe an der geschätzten Betriebssicherheitszone von 250 bis 300 Millionen Barrel.
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