Im September steht der S&P 500 vor dem „schwächsten Monat “: KI-Sektor zeigt weiterhin Schwäche, Analysten werden vorsichtig
Der S&P 500 befindet sich auf historischen Höchstständen, doch die Marktrisiken nehmen zu. Hunter von J.P. Morgan warnt davor, dass der KI-Sektor weiterhin schwach bleibt und die Korrektur noch nicht beendet ist; Stockton von Ned Davis Research meint, dass die Marktstimmung bereits deutlich überhitzt ist; Krinsky von BTIG weist auf eine unzureichende Dynamik im Kapitalumschlag hin. In Kombination mit den traditionell schwachen saisonalen Faktoren im September warnen mehrere Analysten, dass das kurzfristige Risiko einer Korrektur beim S&P 500 steigt.
Der S&P 500 Index verharrt weiterhin in der Nähe seines Allzeithochs. Starke Gewinnentwicklungen sowie fortlaufende Anpassungen der Jahresendrallye durch Wall-Street-Strategen halten die Marktstimmung optimistisch. Doch mit dem nahenden September werden technische Analysten zunehmend vorsichtig: Das AI-Segment zeigt weiterhin Schwächen, die Marktstimmung bleibt überhitzt und die Mittelumschichtung konnte dem Gesamtmarkt keine neue Aufwärtsdynamik verleihen.
Jason Hunter, Leiter der technischen Strategie bei Morgan Stanley, weist darauf hin, dass der S&P 500 Index kurz davor steht, den langfristigen Widerstandsbereich bei rund 7900 Punkten zu erreichen, während AI-bezogene Aktien weiterhin schwächeln. Besonders der Philadelphia Semiconductor Index ist im Juni unter eine wichtige Unterstützung gefallen und liegt immer noch etwa 22% unter seinem Höchstwert, was darauf hinweist, dass die vorherige Korrektur möglicherweise noch nicht abgeschlossen ist.
„Aus technischer Sicht ist dies ein Warnsignal, das darauf hinweist, dass diese Runde der Korrektur noch nicht wirklich vorbei ist“, so Hunter.
Gleichzeitig zeigt der Stimmungsindikator von Ned Davis Research, dass Investoren nun den Bereich der „übermäßigen Optimismus“ erreicht haben. In Kombination mit der saisonalen Schwäche im September sowie der Unsicherheit vor den bevorstehenden Zwischenwahlen steigt das kurzfristige Risiko am Markt.
AI-Segment weiterhin schwach, Semiconductor-Index bleibt in der Korrekturzone
Der Gesamtmarkt bleibt auf hohem Niveau, doch intern ist die Marktstärke nicht robust. Seit dem Bruch einer Schlüsselunterstützung im Juni hat der Philadelphia Semiconductor Index nur schwach reagiert und liegt immer noch rund 22% unter seinem historischen Höchstwert. Hunter meint, dies deutet darauf hin, dass die Korrektur im AI-Kernsegment, vertreten durch Chipaktien, wohl noch nicht abgeschlossen ist.
Er empfiehlt den Investoren allerdings nicht, aggressiv zu reduzieren, sondern hebt den Fokus auf Trendfolgetrading und das Setzen von Stop-Loss hervor. Die Erfahrungen der letzten eineinhalb bis zwei Jahre zeigen, dass ein Versuch, den Abschwung vorwegzunehmen, keine profitable Strategie ist. Auch der S&P 500 Index selbst ist in eine Seitwärtsbewegung geraten und hat in den letzten zwei Monaten im Grunde „auf der Stelle getreten“.
Jonathan Krinsky, Chief Market Technician bei BTIG, hebt hervor, dass zwar zuletzt eine Sektorrotation stattfand, die Mittel jedoch lediglich zwischen den verschiedenen Sektoren hin und her fließen, ohne eine gemeinsame Aufwärtskraft für den Gesamtmarkt zu bilden. „Wir sehen lediglich, dass Geld von einem Sektor zum nächsten wandert und wieder zurück, ohne Fortschritt“, so Krinsky. Wenn die aus AI und Technologiewerten abziehenden Mittel nicht zurückfließen, könnte der Markt vor einer neuen Abwärtsphase stehen.
Überhitzte Stimmung, das September-„Magie“-Phänomen erneut im Fokus
London Stockton, Analyst bei Ned Davis Research, weist darauf hin, dass beide vom Institut gemessenen Indikatoren für kollektive Stimmung und Handelsstimmung aktuell im Bereich „übermäßiger Optimismus“ liegen. Historisch betrachtet sind die Belastungen für den Markt besonders ausgeprägt, wenn beide Indikatoren dieses Niveau gleichzeitig erreichen.
Stockton erläutert im Bericht vom 26. August, dass der Markt möglicherweise eine Phase der Volatilität durchlaufen muss, um den übermäßigen Optimismus abzubauen oder auf das Ende der Zwischenwahlen zu warten.
Vom saisonalen Standpunkt aus gesehen ist September der Monat, in dem der S&P 500 am meisten unter Druck steht. In den letzten 30 Jahren fiel der S&P 500 im September durchschnittlich um 0,8% – der schlechteste Monat des Jahres, während die übrigen 11 Monate durchschnittlich um 0,9% zulegen.
Gleichgewichtete Indizes sind ebenfalls keine vollständigen Absicherungen
Einige Investoren betrachten den S&P 500 Equal Weight (SPW) Index als relativ sichere Alternative. Dieser Index reduziert den Einfluss von Unternehmen mit extrem hoher Marktkapitalisierung und liegt aktuell nur etwa 1% unter seinem Allzeithoch; zuvor profitierte er vom Mittelumschichtungen von hoch bewerteten AI-Aktien in andere Sektoren.
Krinsky ist jedoch der Ansicht, dass der Equal Weight Index ebenfalls nicht vollständig frei von Korrekturrisiken ist. Laut BTIG-Daten gab es seit 1990 in den Monaten August bis Oktober der Zwischenwahljahre beim SPW jeweils mindestens eine 7%-Korrektur. Die einzige Ausnahme war das Jahr 2006, allerdings war der Index damals bereits von Mai bis Juli um 9% gefallen.
Krinsky erinnert zudem daran, dass potenziell disruptive Gleichgewichtsstörungen nicht zwangsläufig durch die Wahlen ausgelöst werden, sondern durch unvorhersehbare Ereignisse. Für den hoch stehenden US-Aktienmarkt ist der saisonale Druck im September womöglich nur Symptomatik. Viel wichtiger sei, dass Schwächen im AI-Segment, mangelnde Aufwärtsdynamik im Markt und überhitzte Stimmung zusammentreffen – denn jedes unerwartete Ereignis kann dann die Marktschwankungen verstärken.
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