Die wichtigste Veränderung bei Tower Semiconductor (
TSEM) besteht darin, dass der Markt das Unternehmen neu definiert. Früher wurde Tower hauptsächlich als spezialisierter Hersteller von analogen Wafern betrachtet, heute ist der durch AI-Rechenzentren getriebene
SiPho (Siliziumphotonik)-Bedarf der stärkste Wachstumsmotor. Das Unternehmen erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 460 Millionen US-Dollar, was einem Wachstum von 24 % gegenüber dem Vorjahr entspricht; der bereinigte Nettogewinn ohne Einmalprojekte betrug 91 Millionen US-Dollar, die Nettomarge stieg auf 20 %. Noch wichtiger: Tower gab eine Umsatzprognose für das dritte Quartal von 520 Millionen US-Dollar heraus, ein Wachstum von 31 % gegenüber dem Vorjahr, was zeigt, dass der Anstieg der SiPho-Kapazitäten bereits substantiell in die Bilanz eingeht.
Siliziumphotonik erschließt Wachstumsmöglichkeiten
Das stärkste Fundament von Tower kommt derzeit von der Sichtbarkeit der Orders. Das Unternehmen hat bereits einen SiPho-Umsatzvertrag über 1,3 Milliarden US-Dollar für 2027 abgeschlossen und 290 Millionen US-Dollar Kundenanzahlungen erhalten; die Kapazitätsbuchungen für 2028 sind noch höher. Nach dem zweiten Quartal hat Tower zusätzlich das Zielmodell für 2028 auf 3,6 Milliarden Dollar Umsatz und 1,2 Milliarden Dollar Nettogewinn erhöht. Gleichzeitig erweitert Tower weiterhin die 300-mm-Kapazität in Japan und arbeitet mit OpenLight, IQE und anderen Unternehmen an InP-on-Silicon und der nächsten Generation von Hochgeschwindigkeits-Photonikplattformen. Der Markt wechselt daher zunehmend von herkömmlicher Spezialwertschätzung zu einer Wachstumslogik rund um AI-Photonik-Vernetzung.
Hohes Wachstum steht weiterhin für hohe Bewertung
Zum Stand vom 25. August lag der Kurs von TSEM bei 212,85 US-Dollar und hat damit gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 319,94 US-Dollar am 22. Juni etwa 33 % abgegeben. Die Markterwartungen für das EPS in den Jahren 2026 und 2027 liegen bei etwa 3,57 US-Dollar bzw. 6,20 US-Dollar, was einem vorausschauenden KGV von 60 bzw. 34 entspricht. Diese Bewertung bleibt hoch, aber das Gewinnwachstum ist ebenfalls sehr schnell. Sollte der SiPho-Vertrag über 1,3 Milliarden US-Dollar erfolgreich in 2027 umgesetzt und das Zielmodell für 2028 von 3,6 Milliarden US-Dollar Umsatz erreicht werden, kann die Bewertung durch weiteres Gewinnwachstum aufgefangen werden. Die jüngsten Kursziele von BofA, Benchmark und Susquehanna liegen bereits über 330 US-Dollar und zeigen, dass die Analysten die langfristige Ertragskraft von Tower deutlich höher bewerten.
Die wichtigsten Risiken resultieren aus drei Punkten: die Expansion der SiPho-Kapazitäten bleibt hinter den Erwartungen zurück, die Kundenbasis ist stark konzentriert und die Lieferkette der optischen Module ist durch Handels- und Politikrestriktionen beeinträchtigt. Eine hohe Bewertung bedeutet, dass jede Verzögerung bei Orders oder eine geringere Marge als erwartet die Kursschwankungen verstärken kann.
Nach dem Rücksetzer auf Bestätigung warten
Die technische Lage hat sich deutlich abgekühlt. Der Kurs liegt derzeit unter den 20- und 50-Tage-Durchschnittslinien, der kurzfristige Trend ist schwach; 208–210 US-Dollar stellen die erste Unterstützungszone dar, nach Unterschreiten liegt der Fokus auf rund 200 US-Dollar. Nach oben bilden 224–230 US-Dollar den ersten Widerstand; erst nach weiterem Ausbruch kann die 240–250 US-Dollar-Zone erneut angestrebt werden.
Die aktuelle Strategie eignet sich besser zum Abwarten einer Stabilisierung, statt in einem Abwärtstrend nachzukaufen. Wenn sich im Bereich 200–210 US-Dollar eine Bodenbildung abzeichnet, kann man schrittweise beobachten; ein nachhaltiger Anstieg über 230 US-Dollar mit wieder steigenden Umsätzen könnte zeigen, dass der Markt erneut eine SiPho-Wachstumslogik handelt. Bei einem deutlichen Rutsch unter 200 US-Dollar sollte die Position reduziert und das Risiko von Bewertungsanpassungen bei wachstumsstarken Aktien kontrolliert werden.