Euro: Wie viel Potenzial für weiteren Anstieg bleibt?
Morning FX
1. Treibende Faktoren für die aktuelle Euro-Rallye
Erstens: Die Differenz in den Wirtschaftserwartungen zwischen Europa und den USA vergrößert sich und bietet fundamentale Unterstützung für den Euro.Die Wirtschaftsdaten aus der Eurozone für August zeigten eine deutliche Erholung: Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe stieg auf 52,8 – den höchsten Wert seit Mai 2022; der Dienstleistungs-PMI blieb bei 51,7; der Composite-PMI erreichte 52,1 und markierte ein 9-Monats-Hoch. Im Vergleich dazu schwächeln in den USA Kernindikatoren wie der Arbeitsmarkt und der Einzelhandel weiter, und der Unterschied beim Citi Economic Surprise Index zwischen Europa und den USA steigt.
Zweitens: Der Zinsvorteil spricht für den Euro –der 2-jährige Spread zwischen deutschen und US-amerikanischen Anleihen ist seit Juli um 30 Basispunkte gestiegen und treibt den EURUSD nach oben.Zinsmärkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von 95% für eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im September ein – die Erhöhung gilt als sicher. In den USA hingegen liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve im September bei lediglich 35%, und angesichts schwächerer Wirtschaftsdaten ist eine Pause im September sehr wahrscheinlich.Wegen der US-Kongresswahlen im November ist es unwahrscheinlich, dass die Federal Reserve im Oktober einen neuen Zinserhöhungszyklus beginnt, falls im September keine Zinserhöhung erfolgt – historisch hat die Fed niemals während der Sitzung unmittelbar vor einer Kongresswahl einen Zinserhöhungszyklus gestartet.

Drittens: Die Sorgen um die Kreditwürdigkeit des US-Dollars nehmen zu, Dollar-Bullen ziehen sich verstärkt zurück.Der Auslöser für den Sprung des Euros über den 200-Tage-Durchschnitt wardie Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Anleihen zu verdoppeln. Dies führte zu Sorgen hinsichtlich der US-Schuldenproblematik und des US-Dollar-Kreditwesens; die zahlreichen Short-Positionen auf den Euro wurden gestoppt.
2. Kann der Aufwärtstrend weiter anhalten?
Die genannten positiven Faktoren werden voraussichtlich weiterhin mittelfristig den Euro unterstützen. Auch laut Optionsmarkt bleibt die EURUSD-Risikoprämie hoch; die 3M 25D Risk Reversal ist auf den höchsten Stand seit März gestiegen – der Markt bleibt bullish für den Euro.
Allerdings steigt kurzfristig das Risiko einer Korrektur beim Euro. Zu den Belastungsfaktoren zählen:
Einerseits bleiben die Energiepreise hoch –das ist negativ für die Handelsbedingungen der Eurozone.Der Brent-Preis liegt weiterhin über 90 US-Dollar, die europäischen Gaspreise bleiben ebenfalls hoch. Vor den Zwischenwahlen kann sich die Lage mit Iran noch verschärfen.
Andererseits begrenzen politische Unsicherheiten in Deutschland das Aufwärtspotenzial.Im September finden in DeutschlandHerbst-Landtagswahlen statt; wenndie AfD besser abschneidet als erwartet, könnten politische Risiken in Europa steigen und wären negativ für den Euro.
3. Fazit
1. Obwohl die mittel- bis langfristigen positiven Argumente für den Euro bestehen bleiben (überraschend starke europäische Wirtschaft, Zinserhöhungen durch die EZB und Sorgen um die US-Schuldenproblematik), dürften diese kurzfristigen Vorteile bereits eingepreist sein. Für einen weiteren Ausbruch des Euro über 1,18 fehlt aktuell kurzfristig zusätzlicher Auftrieb.
2. Die anhaltend hohen Energiepreise setzen dem Euro nach oben hin Grenzen. Aus technischer Sicht könnte EURUSD zunächst auf den Bereich 1,16–1,1630 zurückfallen; es empfiehlt sich, bei einer Korrektur eine Long-Position einzugehen.
3. In dieser Woche liegt das Augenmerk auf dem Jackson Hole Meeting zum Thema „Finanzielle Innovation: Auswirkungen auf Zahlungsverkehr und Politik“. Eine Rede von Fed-Präsident Walsh (28. August um 22:00 Uhr MEZ) wird voraussichtlich keine Hinweise für die September-Sitzung liefern; das Marktvolumen dürfte begrenzt bleiben und wird diese Woche vermutlich von einer niedrigen Volatilität geprägt sein.Der Markt dürfte diese Woche eine Phase niedriger Schwankungen fortsetzen.





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