Neun Bewertungskennzahlen geben gleichzeitig Warnsignale: Der US-Aktienmarkt könnte in den nächsten zehn Jahren jährlich durchschnittlich 3,2 % Verlust verzeichnen.
Der Kolumnist Mark Hulbert von MarketWatch hat neun Indikatoren untersucht, darunter das Kurs-Gewinn-Verhältnis und die Aktienquote privater Haushalte. Sieben dieser Indikatoren prognostizieren, dass die reale Rendite des S&P 500 in den nächsten zehn Jahren unter der Inflationsrate liegen wird. Im Durchschnitt erwarten alle neun Indikatoren eine annualisierte reale Rendite von -3,2 %. Hohe Bewertungen bedeuten zwar nicht zwangsläufig, dass der Markt kurzfristig seinen Höhepunkt erreicht, sie beschränken jedoch das langfristige Ertragspotenzial. Angesichts der steigenden Verschuldung, geopolitischer Risiken und der Bewertungsdebatte rund um künstliche Intelligenz wird das Sicherheitspolster des US-Aktienmarkts zunehmend schmaler.
Die Bewertung des US-Aktienmarkts befindet sich bereits auf extrem hohen Niveaus, mehrere langfristige Bewertungsindikatoren senden gleichzeitig Warnsignale aus.
Am 25. August schrieb MarketWatch-Kolumnist Mark Hulbert, dass von den neun von ihm untersuchten Bewertungsindikatoren mit historischer Prognosekraft sieben erwarten, dass die reale Rendite des S&P 500 in den nächsten zehn Jahren unterhalb der Inflationsrate liegen wird, einer prognostiziert etwa Gleichstand und nur einer erwartet eine positive reale Rendite, die aber immer noch deutlich unter dem historischen Durchschnitt liegt.
Die durchschnittliche Prognose der neun Indikatoren ist noch pessimistischer: Für die nächsten zehn Jahre wird eine annualisierte reale Gesamtrendite von -3,2% für den S&P 500 erwartet. Das bedeutet, dass die hohen Bewertungen der US-Aktien bereits einen erheblichen Teil zukünftiger Renditen vorwegnehmen könnten.
Aktuell erhöhen die Expansion der US-Verschuldung, geopolitische Konflikte sowie die Kontroversen um die Bewertung von KI die Unsicherheit am Markt, und hohe Bewertungen bedeuten, dass der Markt weniger Puffer für potenzielle Schocks hat.
Vielschichtige Bewertungsindikatoren senden gleichzeitig Warnungen
Die neun von Hulbert untersuchten Indikatoren stammen aus verschiedenen Bewertungsdimensionen, darunter Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Dividendenrendite und das Verhältnis der gesamten Marktkapitalisierung von Aktien zum BIP. Obwohl Berechnungsweisen und Logik unterschiedlich sind, kommen die meisten Indikatoren zu ähnlichen Ergebnissen: Je höher die aktuelle Bewertung, desto niedriger ist oft die reale Rendite der nächsten zehn Jahre.
Einer der Indikatoren mit besonders starker Prognosekraft ist die Aktienquote US-amerikanischer Haushalte. Dieser Indikator misst nicht direkt, ob Aktien teuer sind, sondern beobachtet, wie viele Vermögenswerte Familieninvestoren in Aktien investieren. Historisch gesehen erhöhen Investoren ihre Aktienquote meist in Aufwärtsphasen des Marktes und bei hoher Stimmung, daher befindet sich die Aktienquote von Haushalten typischerweise zum Ende eines Bullenmarkts auf hohem Niveau. Momentan liegt dieser Indikator nahe seinem historischen Höchststand.
Noch wichtiger ist, dass zwischen der Aktienquote von Haushalten und traditionellen Bewertungsindikatoren wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Umsatz-Verhältnis kein direkter Zusammenhang besteht und dennoch eine ähnliche langfristige Renditeprognose gegeben wird. Das heißt, unterschiedliche Logiken und Dimensionen senden gleichzeitig ähnliche Signale – das ist bemerkenswerter als ein einzelner Bewertungsindikator auf hohem Niveau.
Hohe Bewertung bedeutet nicht sofortigen Absturz, das eigentliche Problem ist die künftige Rendite
Hulbert betont, dass Bewertungsindikatoren keine kurzfristigen Timing-Tools sind. Der US-Aktienmarkt kann bei hoher Bewertung durchaus weiter steigen oder sogar mehrere Jahre auf hohem Niveau bleiben, daher beantworten diese Indikatoren nicht die Frage, wann der Markt seinen Höchststand erreicht.
Tatsächlich bewegen sich einige Bewertungsindikatoren bereits seit Jahren auf hohem Niveau und dennoch steigen die US-Aktien weiter. Das ist auch der Grund, warum einige meinen, traditionelle Bewertungsindikatoren hätten ihre Bedeutung verloren.
Doch die Bedeutung von Bewertungsindikatoren liegt nicht darin, kurzfristige Hochpunkte vorherzusagen, sondern zu beurteilen, ob der aktuelle Preis noch eine attraktive langfristige Rendite bietet. Wenn diese Indikatoren weiterhin gültig sind, bedeutet die derzeitige hohe Bewertung, dass das Renditepotenzial für die kommenden zehn Jahre deutlich reduziert ist.
Deshalb müssen die Expansion der US-Verschuldung, geopolitische Risiken im Nahen Osten sowie die KI-Bewertungsdebatte nicht sofort zu einer Marktkorrektur führen, aber hohe Bewertungen bedeuten, dass die Sicherheitsmarge des Marktes geringer ist. Sollte es unerwartete Veränderungen im Wirtschaftswachstum, bei Unternehmensgewinnen oder der Liquidität geben, könnten die Marktbewegungen überproportional ausfallen.
Für langfristige Investoren ist es vielleicht nicht entscheidend, wann der US-Aktienmarkt seinen Höchststand erreicht, sondern: Wie viel reale Rendite ist in den nächsten zehn Jahren bei den heutigen Bewertungsniveaus noch möglich?
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