Yen-Intervention: Kann man dieses fallende Messer fangen?
Morning FX
Auch wenn sie etwas verspätet kam, ist diese Intervention am Yen nun doch eingetreten. Innerhalb nur zweier Handelstage fiel USDJPY um 4% auf 157, und auch der US-Dollar-Index wurde dadurch deutlich nach unten gezogen.
Historisch hat die Intervention am Yen den langfristigen Abwertungstrend nicht verändert; rückblickend war jede Intervention wie ein Geschenk des Finanzministeriums an den Markt. Die Frage ist nun: Und diesmal? Kann man dieses fallende Messer auffangen?
Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst das Ausmaß der aktuellen Intervention bewertet werden. Ich tendiere zu der Annahme, dass der größte Teil des politischen Momentums dieser Yen-Intervention bereits freigesetzt wurde. Seit 2022 dauern die bisherigen Yen-Interventionen jeweils 1–4 Handelstage, wobei der Yen jeweils um etwa 4% aufwertete. Die aktuelle Intervention dauert bereits 2 Handelstage, USDJPY hat mit bis zu 4% am stärksten abgewertet, das Interventionsvolumen übersteigt 10 Billionen Yen. Vergleicht man mit den Erfahrungswerten der Vergangenheit, dürfte der Großteil des politischen Momentums in dieser Runde bereits verbraucht sein.
Das Besondere an dieser Intervention: Es ist eine gemeinsame Intervention von USA und Japan. Bereits am Freitag setzte der „Benson Small Note” (贝森特小纸条) durch eine Mitteilung und ein „Rate Check“ der New Yorker Fed ein klares Warnsignal an den Markt. Allerdings messe ich der „Benson Small Note” als Warnsignal mehr Bedeutung bei als ihrem eigentlichen Effekt. Im Vergleich zu anderen G7-Staaten sind die US-Devisenreserven nämlich sehr gering. Laut offiziellen Daten des IWF belaufen sich die US-FX-Reserven auf lediglich 38 Milliarden US-Dollar, davon sind etwa 26 Milliarden Euro-Reserven.
Wie die obenstehende Abbildung zeigt, gab es seit 2000 wenig Veränderung bei den US-Devisenreserven, während das globale Forex-Handelsvolumen laut BIS-Daten um mehr als das Achtfache gestiegen ist. Zudem ist die Nutzung von Euro-Reserven mit entsprechenden politischen Kosten verbunden. Auch hier messe ich der „Benson Small Note” als Warnsignal mehr Bedeutung bei als ihrem tatsächlichen Effekt.
Unter taktischen Gesichtspunkten hat der Benson-Ansatz das Ziel erreicht – aktuell ist die 1-Monats USDJPY 25D RR auf -2,6 gefallen, dem Jahrestief. Das zeigt, dass die kurzfristige Abwertungserwartung für den Yen am Markt deutlich zurückgegangen ist.
Langfristig liegt der Ursprung der Yen-Abwertungserwartung darin, dass die japanische Wirtschaft die BOJ nicht in die Lage versetzt, konsequent und schnell die Zinsen zu erhöhen. Deshalb bleibt der Yen eine „Finanzierungswährung“.
Konkret gibt es in Japan keine stabile positive Rückkopplung zwischen Wirtschaft, Löhnen und Inflation. Zwar steigen die Löhne in Japan dieses Jahr deutlich, aber die Zahl der Unternehmenspleiten ist auf ein Zehnjahreshoch geklettert. Der Grund: Das Lohnwachstum wird überwiegend von Großunternehmen getragen, kleine und mittlere Unternehmen stehen weiterhin unter starkem Gewinn- und Lohndruck. In diesem Umfeld bleibt die Inflation in Japan, besonders im Service-Bereich, schwach und kann keine konsequenten und schnellen Zinserhöhungen der BOJ tragen.
Fazit: Die Intervention am Yen ist gekommen. Kann man dieses fallende Messer auffangen? Meiner Meinung nach: Ja, das ist möglich.
Zusammenfassung des heutigen Beitrags:
1. Die aktuelle Yen-Intervention dauert bereits 2 Handelstage, USDJPY hat bis zu 4% abgewertet, das Interventionsvolumen übersteigt 10 Billionen Yen. Verglichen mit historischen Erfahrungen dürfte das meiste politische Momentum dieser Runde schon verbraucht sein;
2. Das Besondere an dieser Runde: Es handelt sich um eine gemeinsame Intervention USA-Japan. Allerdings messe ich der „Benson Small Note” als Warnsignal mehr Bedeutung als ihrem eigentlichen Effekt bei. Denn die US-Devisenreserven sind eigentlich sehr gering und der Rückgriff auf Euro-Reserven ist mit zusätzlichen politischen Kosten verbunden;
3. Langfristig liegt die Wurzel der Yen-Abwertungserwartung darin: Die japanische Wirtschaft kann keine konsequenten und schnellen Zinserhöhungen durch die BOJ tragen. Zwar steigen die Löhne dieses Jahr deutlich, aber die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen hat ein Zehnjahreshoch erreicht, und der heimische Preisdruck ist weiterhin schwach. Insgesamt ist das fallende Messer der Yen-Intervention auffangbar. Für exportorientierte japanische Unternehmen ist das eine sehr gute Gelegenheit, zu hohen Kursen zu konvertieren.








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