El Salvador erhält 138 Millionen US-Dollar trotz Verstoß gegen Bitcoin-Kriterium
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die zweite und dritte Überprüfung seines Kreditprogramms für El Salvador abgeschlossen und weitere 138 Millionen US-Dollar freigegeben. Dabei bestätigte der IWF ausdrücklich, dass El Salvador ein Leistungskriterium hinsichtlich der Bitcoin-Akkumulation nicht eingehalten habe, gewährte dafür aber eine Ausnahme. Erst im September hatte die Institution erklärt, dass der jüngste Zuwachs in El Salvadors strategischer Bitcoin-Reserve auf private Spenden zurückzuführen sei.
Im Gegenzug für einen IWF-Kredit in Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar hat sich El Salvador zu zahlreichen wirtschaftspolitischen Reformen verpflichtet. Dazu gehörte unter anderem, Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel abzuschaffen, die staatliche Beteiligung an Bitcoin-Aktivitäten zurückzufahren und keine weiteren BTC durch den öffentlichen Sektor freiwillig zu akkumulieren.
Kriterium zur Bitcoin-Akkumulation nicht erfüllt
Laut der neuesten Überprüfung des IWF hat El Salvador die Bitcoin-Kriterien nicht vollständig erfüllt.
Für diese Abweichungen gewährte der IWF jedoch sogenannte „Waiver“.
Trotz der nicht erfüllten Bedingungen wird die nächste Kredittranche in Höhe von 101,96 Millionen Sonderziehungsrechten (SDR) beziehungsweise rund 138 Millionen US-Dollar ausgezahlt.
Als Begründung für die Ausnahme verweist der IWF auf Korrekturmaßnahmen sowie erneuerte Zusagen El Salvadors.
Allerdings wurden bestimmte Leistungskriterien nicht erfüllt, unter anderem im Bereich der Bitcoin-Akkumulation; hierfür wurden jedoch aufgrund umfassender Korrekturmaßnahmen und erneuter Zusagen Ausnahmegenehmigungen erteilt.
IWF in der neuen Mitteilung
El Salvadors „Bitcoin-Käufe“ und die IWF-Bedingungen
Seit der Vereinbarung mit dem IWF sorgten die vermeintlichen weiter vonstattengehenden Bitcoin-Käufe El Salvadors immer wieder für Verwirrung. Obwohl sich das Land dazu verpflichtet hatte, keine weiteren Bitcoin freiwillig durch den öffentlichen Sektor zu akkumulieren, wuchs die offiziell ausgewiesene strategische Reserve weiter.
Auch Präsident Nayib Bukele hatte im März 2025 öffentlich erklärt, dass die Bitcoin-Käufe trotz der Vereinbarung mit dem IWF nicht aufhören würden.
Der IWF stellte die Situation durchgängig hingegen anders dar. Zunächst unterstrich die Institution bei der ersten Überprüfung, dass der Anstieg der öffentlich ausgewiesenen strategischen Reserve auf die Konsolidierung bereits vorhandener Bitcoin aus verschiedenen staatlichen Wallets zurückzuführen sei.
Anfang September dieses Jahres betonte der IWF schließlich, El Salvador habe Unterlagen vorgelegt, die belegen, dass es sich bei der Bitcoin-Akkumulation seither um private Spenden handele. Was genau dahinterstecken soll, wurde bis heute nicht bekannt. Das salvadorianische Bitcoin Office behauptete danach sogar weiter, dass El Salvador BTC kaufen würde.
Auch wenn El Salvadors Bitcoin-Reserve laut IWF nicht durch Käufe anwachse, sei das Leistungskriterium, keine weiteren Bitcoin freiwillig durch den öffentlichen Sektor zu akkumulieren, nicht eingehalten worden. Der IWF erklärte gleichzeitig:
Für die Zukunft wird keine weitere Bitcoin-Akkumulation über die dokumentierten Spenden hinaus erwartet.
IWF in der neuen Mitteilung
Ob genau diese Spenden nun auch der Grund dafür sind, dass das Bitcoin-Leistungskriterium bei der zweiten und dritten Überprüfung als nicht erfüllt gilt, ist der neuen IWF-Mitteilung aber nicht eindeutig zu entnehmen. Das liegt allerdings nahe, da der Empfang von Spenden mit einer freiwilligen Akkumulation gleichzusetzen sein dürfte. Anders sähe es laut IWF-Regeln etwa bei Beschlagnahmungen aus.
Kein Bitcoin-Vorzeigeland
Auch wenn El Salvador an der Bitcoin-Reserve festhält und diese – wie auch immer – weiter ausgebaut wird, ist das Land alles andere als ein Positivbeispiel für die Adoption durch Nationalstaaten. Denn dadurch, dass Bitcoin wieder als gesetzliches Zahlungsmittel abgeschafft wurde, fühlen sich Kritiker in ihrer Annahme bestätigt, dass BTC als Landeswährung nicht funktionieren könne.
In dieser Woche erschien dann auch noch ein Bloomberg-Bericht, in dem es hieß, dass El Salvador jetzt lieber auf Stablecoins setzen würde. Dabei ging es um einen mit dem Staat verflochtenen Dienstleister, der eine Wallet für die digitalen US-Dollar-Äquivalente ins Leben ruft.
Erschwerend hinzu kommt, dass es erheblich an Transparenz mangelt. Denn während es das Bitcoin Office und Präsident Bukele so darstellen wollen, als würde das Land trotz IWF-Deal weiter Bitcoin kaufen, widerspricht dies seit geraumer Zeit eindeutig der Darstellung in IWF‑Berichten. Informationen zum Stand der Dinge bei der Bitcoin-Reserve beziehungsweise offizielle Erklärungen zu den Entwicklungen gibt es bislang keine.
Bukele zitierte die aktuelle IWF-Mitteilung mit einem Kuss-Smiley und fügte den Screenshot eines Bloomberg-Artikels zu der Kausa hinzu.
Dadurch scheint er sich für die Freigabe der Kreditsumme trotz Verstoßes gegen die Auflagen feiern zu lassen.
Und das, obwohl das salvadorianische Bitcoin-Experiment dabei alles andere als gut wegkommt – und eben erklärt wird, dass die BTC-Reserve lediglich durch private Spenden anwachse.
Es werden weiterhin Anstrengungen unternommen, um die Beteiligung des Staates an Aktivitäten im Zusammenhang mit Bitcoin zu reduzieren, die Regulierung und Governance von Krypto-Vermögenswerten zu stärken und die Transparenz hinsichtlich der Bestände an Krypto-Vermögenswerten im öffentlichen Sektor zu verbessern. Über die dokumentierten Spenden hinaus ist keine weitere Akkumulation von Bitcoin vorgesehen.
IWF in der neuen Mitteilung
Der IWF drängte die Regierung von Präsident Nayib Bukele dennoch dazu, den weiteren Aufbau von Bitcoin-Beständen zu stoppen und das Engagement des Staates im Bereich der Kryptowährungen weiter zu reduzieren. […] El Salvador hat Bitcoin im Jahr 2021 neben dem US-Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt, doch die Akzeptanz blieb begrenzt.
Aus dem Bloomberg-Artikel
😘 https://t.co/fNrI4p2yDI pic.twitter.com/hjWLY1jcAB
— Nayib Bukele (@nayibbukele) October 1, 2026
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