Lehren aus der Geschichte: Die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der Federal Reserve
Huitong Nachrichten, 8. September—— Wann wird die Federal Reserve endlich die Zinssenkung einleiten? Und wie gefährlich wird Trumps politische Lage, wenn die Senkung kommt? In den kommenden Monaten sind dies zwei faszinierende Fragen, die sowohl Europa als auch die USA beschäftigen.
Die Entscheidungsträger der Zentralbanken in Europa und den USA stehen kurz davor, im September eine richtungsweisende Zinsentscheidung zu treffen und sollten dabei eine bemerkenswerte historische Episode berücksichtigen.
Vor fünfundvierzig Jahren befand sich ein neu ernannter Zentralbankchef in einem Dilemma der Währungspolitik. Er verweigerte eine Zinssenkung und zog so den Zorn seines früheren Förderers und nun mächtigen Staatsoberhauptes auf sich.
Der über den Atlantik fegende Finanzsturm zwang den neuen Zentralbankchef zu einer straffen Geldpolitik, was die wirtschaftliche Krise verschärfte und seinem einstigen Mentor schließlich das politische Aus bescherte.
Auf der einen Seite stehen Donald Trump und der frisch ernannte Fed-Vorsitzende Kevin Walsh; auf der anderen Seite Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl – zwei historische Gegenüberstellungen, die sich leicht nachvollziehen lassen.
1981-1982 führte der damalige Fed-Vorsitzende Paul Volcker die Ende der 1970er Jahre begonnene restriktive Geldpolitik fort und löste weltweit Schockwellen aus. Damals war Pöhl Staatssekretär im Finanzministerium, als Schmidt dort Finanzminister war.
1977 beförderte Schmidt seinen Vertrauten zum stellvertretenden Präsidenten der Bundesbank; im Januar 1980 trat Pöhl das Amt des Präsidenten an. Angesichts der starken Abwertung der D-Mark gegenüber dem US-Dollar blieb Pöhl mit Unterstützung seines entschlossenen Stellvertreters Helmut Schlesinger keine andere Wahl als eine extrem straffe Geldpolitik zu verfolgen. Selbst als Schmidt und der französische Premierminister Raymond Barre öffentlich Druck auf ihn ausübten, blieb Pöhl unbeeindruckt.
Im Jahr 2026 scheint sich, obwohl Europa geopolitisch eher schwach aufgestellt ist, die kausale Dynamik umgekehrt zu haben. Vom 9. bis 10. September tagt der EZB-Rat in Berlin. Aufgrund des vom Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran getriebenen Inflationsdrucks erwarten die Märkte, dass die EZB den Einlagenzins von 2,25% um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird.
Am 15.-16. September trifft sich das Federal Open Market Committee (FOMC) in Washington, um zu beraten, ob der Leitzins von derzeit 3,50% auf eine Spanne von 3,75% angehoben wird. Nach Walshs Standpunktwechsel auf dem Jackson Hole Symposium steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve – ein Ergebnis, das Trump wahrscheinlich nicht begrüßen wird.
Die Maßnahmen der europäischen Seite sind natürlich nicht der Hauptgrund für eine mögliche Zinserhöhung der Federal Reserve. Wenn jedoch die zweitgrößte Zentralbank der Welt eine gut abgestimmte, aber politisch heikle restriktive Entscheidung trifft, kann dies zumindest psychologischen Einfluss auf einige Mitglieder des FOMC haben.
Zum Zeitpunkt der Zinserhöhungsentscheidung stecken die beiden wichtigsten Länder der Eurozone, Deutschland und Frankreich, in politischen Turbulenzen. Bundeskanzler Friedrich Merz steht vor der großen Herausforderung der Kommunalwahlen am 6. September; Präsident Emmanuel Macron verabschiedet sich, und Umfragen zeigen, dass rechts- und linkspopulistische Kandidaten bei der französischen Präsidentenwahl im April 2027 in Führung liegen.
Trump kritisierte immer wieder öffentlich den ehemaligen Fed-Chef Jerome Powell (der immer noch als Fed-Direktor tätig ist), weil dieser eine Zinssenkung verweigerte und die Forderung nach einer Senkung der Regierungsschuldenkosten nicht unterstützte. (Trump verschweigt dabei bewusst eine offensichtliche Tatsache: Eine absichtliche Zulassung von Inflation erhöht, statt senkt, die langfristigen Kreditkosten).
Im Mai 2026 ernannte Trump Walsh zum Fed-Vorsitzenden. Walsh war bereits von 2006 bis 2011 im Fed-Vorstand tätig. Trump setzte auf ihn, weil er glaubte, der neue Chef sei expansiver als sein Vorgänger. Doch letzten Monat bekräftigte Walsh erneut, dass die Fed entschlossen gegen die Inflation vorgehen werde – eine Haltung, die das Weiße Haus kaum begrüßen dürfte.
Laut Berichten wird Walsh "tun, was nötig ist". Das bedeutet: Sollte die Fed am 15. September die Zinsen erhöhen, könnte Trumps Reaktion zurückhaltender ausfallen als zu Powells Zeiten. Für den Präsidenten, der im November der Zwischenwahl entgegengeht und sich einer Kette von Glaubwürdigkeitsprüfungen stellen muss, bleibt eine Zinserhöhung dennoch eine schlechte Nachricht.
Es ist keine Seltenheit, dass politisch ernannte Zentralbankchefs sich später von ihren ehemaligen Förderern abwenden. Die Persönlichkeiten der Bundesbankpräsidenten waren unterschiedlich, aber sie wurden alle mit verschiedenen Arten von Druck konfrontiert. Diese Standhaftigkeit in der Unabhängigkeit wurde auch auf die EZB übertragen.
Um die institutionelle Robustheit dieser Unabhängigkeit zu beschreiben, greifen Insider der Bundesbank auf das Beispiel von Heinrich II. zurück. Diese Metapher wurde erstmals 1992 von Bundesbank-Ökonom Otmar Issing geprägt; 1998 wechselte Issing zur EZB in derselben Funktion. 1162 wurde Heinrichs II. Kanzler Thomas Becket zum Erzbischof von Canterbury ernannt und trat daraufhin in Opposition zum König; 1170 wurde Becket ermordet, und T.S. Eliot thematisiert diesen Konflikt in seinem Drama "Mord im Dom".
Dieses Phänomen – dass von den Mächtigen beförderte Amtsträger nach Übernahme der Zentralbank zum Hüter der strikten Geldpolitik werden und sich von ihren Förderern abwenden – wird heute in der Wissenschaft als "Becket-Effekt" bezeichnet. 1981-1982 zeigte sich dieses Prinzip besonders deutlich: Deutschland hatte bereits mehrfach die Zinsen deutlich erhöht; angesichts der fortgesetzten Schwäche der D-Mark stellte die von Schmidt beförderte Bundesbank unter Pöhl die regulären Kreditinstrumente für Geschäftsbanken ein und trieb 1981 die Marktzinsen auf bis zu 30%.
Die restriktive Geldpolitik der Bundesbank hatte erhebliche politische Folgen. Bei der französischen Präsidentschaftswahl im Mai 1981 gewann Mitterrand. Kurz vor der Wahl schrieb Premierminister Raymond Barre Schmidt einen dringlichen Brief mit der Bitte, die Bundesbank möge die Zinsen senken.
"Ich glaube, dass ein Rückgang der Zinsen auf ein moderates Niveau die Erholung der deutschen Wirtschaft erheblich fördern und andere Länder dazu anregen würde."
Schmidt nutzte die Gelegenheit und leitete eine Kopie von Barres Brief an die Bundesbank in Frankfurt weiter, um Pöhl und Schlesinger unter Druck zu setzen.
Nach Beratung mit dem Vorstand antworteten Pöhl und Schlesinger direkt Schmidt und lehnten die Forderung nach Zinssenkung ab. Schmidt, der einst ein Schlüsselfigur für die Kreditrestriktion der USA war, wurde nun selbst zum Opfer dieser Politik.
In den letzten Wochen seiner Amtszeit bemühte sich Schmidt vergeblich, die Bundesbank zur Lockerung der Kreditbedingungen zu bewegen. Ein bislang unveröffentlichtes historisches Dokument zeigt: Pöhl und Schlesinger besuchten Schmidt heimlich in seinem Privathaus im Hamburger Vorort Langenhorn. Schmidt bat die beiden eindringlich um eine Zinssenkung, doch die Zentralbankvertreter boten lediglich technische Anpassungen, etwa die Senkung der Mindestreserveanforderungen für Banken – weit entfernt von Schmidts Hoffnungen angesichts der Krise.
Die entscheidende Bundestagsdebatte im Oktober 1982 besiegelte das Ende der Schmidt-Regierung; das Parlament stimmte mit Misstrauensvotum, und Helmut Kohl von der CDU übernahm die Regierung. Schmidt gesteht in der Debatte, dass das einst harmonische Verhältnis zur Zentralbank unwiderruflich zerbrochen sei.
Er fordert von der Bundesbank: "Es braucht einen entscheidenden Beitrag zur Zinssenkung, um Investitionen anzukurbeln" und warnt: "Ich muss vor den Folgen der Deflation warnen!"
Die Bundesbank senkte die Zinsen effektiv erst im Sommer 1983 – nachdem Schmidt bereits abgetreten war.
Wann wird die Federal Reserve endlich die Zinssenkung einleiten? Und wie gefährlich wird Trumps politische Lage, wenn die Senkung kommt? In den kommenden Monaten sind dies zwei faszinierende Fragen, die sowohl Europa als auch die USA beschäftigen.
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