Der Gold-Bullenmarkt ist noch nicht vorbei: UBS sagt, dass drei strukturelle Kr äfte den Goldpreis weiterhin antreiben
Quelle: Jinshi Daten
Zwischen 1834 und 1971 wurde der Wert des US-Dollars durch eine feste Menge Gold definiert. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 trat das Gold in eine Zeit des freien Handels ein und durchlief ab 1971 bis 1980, von 1999 bis 2011 sowie seit 2018 drei große Bullenmärkte.
UBS ist der Ansicht, dass der aktuell seit 2018 laufende Aufwärtszyklus beim Gold noch nicht beendet ist. Die vorangegangenen zwei Zyklen waren durch eine Neukonfiguration der monetären Ordnung sowie die Finanzialisierung des Goldes gekennzeichnet. Obwohl die aktuelle Entwicklung ebenfalls von Faktoren wie sinkenden Realzinsen und quantitativer Lockerung während der Pandemie getrieben wurde, hat sich die Basis der Goldpreisbildung verändert.
Russische Reserven eingefroren – Goldpreislogik neu definiert
Der erste Goldbullenmarkt in den 1970er Jahren hielt etwa achteinhalb Jahre an und erzielte eine jährliche Steigerungsrate von 46 %, was eine der stärksten Neubewertungen großer Vermögenswerte in der modernen Geschichte darstellt. Damals führte der Zusammenbruch des Nachkriegswährungssystems, tief negative Realzinsen, steigende geopolitische Risiken und wachsende Haushaltsdefizite gemeinsam zu einer Neubewertung des Goldpreises.
Die zweite Aufwärtsphase hielt noch länger an und brachte eine jährliche Steigerung von fast 18 %. Während dieser Zeit wurde Gold zunehmend finanziell nutzbar gemacht und profitierte von der Nachfrage aus China, von steigenden Preisen anderer Rohstoffe sowie von der extrem lockeren Geldpolitik der US-Notenbank.
Der seit 2018 laufende dritte Bullenmarkt bringt jährlich eine Rendite von 19 %. Doch der entscheidende Wandel, der das Wesen dieses Zyklus bestimmt, sind nicht nur Zinsen und Liquidität.
Globale Reserveverwaltungsstellen mussten daraufhin eine zentrale Frage neu überdenken: Wenn 630 Milliarden US-Dollar, die in US-Staatsanleihen, deutschen, britischen und anderen Staatsanleihen lagern, über Nacht nicht mehr zugänglich sind, welches Asset kann dann wirklich als Reservevermögen dienen?
Gold wurde zu einer Antwort auf diese Frage. Der Anteil der von Zentralbanken aus Schwellenländern und Staatsfonds gehaltenen Goldreserven ist seit 2022 von 5 % bis 7 % auf heute 11 % gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter dem Niveau entwickelter Märkte mit 26 %.
Diese Portfolio-Differenz deutet darauf hin, dass
Realzinsen steigen, doch der Goldpreis fällt nicht wie früher
Von März 2022 bis Oktober 2023 ist die reale Rendite der fünfjährigen US-Staatsanleihen insgesamt um mehr als vier Prozentpunkte gestiegen. Entsprechend der vergangenen zwanzig Jahre hätte der Goldpreis theoretisch um etwa 55 % fallen sollen – tatsächlich aber stieg er um 7 %.
In den folgenden zwei Jahren sank die reale US-Rendite um weniger als einen Prozentpunkt, der Goldpreis hingegen stieg um 110 %.
Das zeigt, dass die Sensibilität des Goldes gegenüber realen Zinsveränderungen eine deutliche Asymmetrie aufweist:
Traditionelle Bewertungsmodelle können den aktuellen Goldpreis daher immer weniger erklären. UBS weist darauf hin, dass viele Modelle den Goldpreis ab 2.500 USD pro Unze als stark überbewertet ansehen – diese Modelle berücksichtigen jedoch zwei weitere entscheidende Variablen nicht.
Eine dieser Variablen ist die sich verändernde Korrelation zwischen Aktien und Anleihen.
Im Verlauf der letzten fünf Inflationsjahre konnten Anleihen das Aktienrisiko häufig nicht wirksam absichern. Gold avancierte stattdessen zum effektiveren Diversifikationsinstrument für portfolioorientierte Investoren mit hoher Aktiengewichtung.
Laut World Gold Council liegt der Anteil der von privaten und institutionellen Investoren in Gold gehaltenen Finanzvermögen nur bei 3 %, weshalb erhebliches Potenzial für eine Portfolioaufstockung besteht.
Sollte zukünftig die Inflation sowie ihre Schwankungen zurückgehen, könnte sich die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen wieder einstellen. Dann dürften Investoren erneut eher Anleihen als Ertragsquelle kaufen statt Gold als Diversifikationsvermögen.
UBS sieht den aktuellen Markt jedoch noch nicht in diesem Stadium.
US-Haushaltsdruck wird zu neuem Goldpreis-Faktor
Ein weiterer langfristiger Treiber resultiert aus dem fortwährenden Vertrauensverlust in die öffentliche Finanzlage der USA.
UBS misst diesen Faktor anhand des Laufzeitrisikoprämie – dem zusätzlichen Ertrag, den Investoren für das Halten von langfristigen Anleihen gegenüber kurzfristigen Schuldtiteln verlangen. Mit steigender Laufzeitprämie nimmt sie zunehmend Einfluss auf die Preisbildung beim Gold.
Die Gesamtverschuldung der USA hat bereits die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten und könnte sich innerhalb der nächsten zehn Jahre nochmals verdoppeln. Gleichzeitig möchte die US-Regierung die unmittelbare Folge dieser Haushaltslage – nämlich dauerhaft steigende Renditen langfristiger Staatsanleihen – unbedingt abwenden.
Wie kann in einer Situation mit Vollbeschäftigung und Haushaltsdefizit in Höhe von ca. 6 % des BIP die langfristige Rendite gedrückt werden?
In den USA zeigen sich bereits
Auch Frankreich und Italien stehen vor einer besorgniserregenden Haushaltsentwicklung. Während die Märkte neu bewerten, wie diese Haushaltsrechnungen letztlich beglichen werden, erhalten hoch bewertete Währungen wie Schweizer Franken, australischer Dollar und kanadischer Dollar als Folge davon einen systematischen, wenn auch moderaten Aufschlag von Investoren.
UBS ist jedoch überzeugt, dass kein anderes Asset die Neubewertungslogik von Fiskalproblematik und Reservevermögen direkter und transparenter widerspiegelt als Gold.
Redakteur: Zhu Henan
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