Vorsicht vor dem „September-Fluch“! JPMorgan warnt: Sollte die US-Staatsanleiherendite 5% überschreiten, könnte der US-Aktienmarkt eine gesunde Korrektur von 5%-8% erleben.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen nähert sich der entscheidenden Marke von 5 %, und JPMorgan warnt davor, dass der US-Aktienmarkt vor einer Korrektur von 5 % bis 8 % stehen könnte. Saisonal bedingte Schwächen im September und die bevorstehenden Wahlen erhöhen die Marktsensibilität. Die Bank betrachtet die Korrektur jedoch als eine gesunde Rücksetzung und bleibt für das gesamte Jahr sowohl für US- als auch europäische Aktien positiv gestimmt. Eine breitere Gewinnbasis sowie ein "Superzyklus" bei den Investitionsausgaben bieten Unterstützung, während der durch die Expansion von AI erzeugte Strombedarf und die bevorstehende Validierungsphase der Erträge mittelfristig als entscheidende Bewährungsprobe gelten.
Die Rendite US-amerikanischer Staatsanleihen nähert sich der entscheidenden 5%-Marke und erhöht damit das kurzfristige Risiko für die globalen Aktienmärkte rapide.
Grace Peters, globale Leiterin der Anlagestrategie bei JPMorgan Private Bank, warnt, dass eine weitere Annäherung der 10-jährigen US-Staatsanleihen-Rendite an 5% eine „Reflexreaktion“ an den Aktienmärkten auslösen könnte, wobei der US-Aktienmarkt einer Korrektur von 5% bis 8% ausgesetzt sein dürfte. Aktuell liegt die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen bereits bei 4,8%, die der 30-jährigen hat ein 19-Jahres-Hoch erreicht.
Peters bleibt jedoch trotz dieser Entwicklung optimistisch. Sie meint, selbst wenn es zu einer Korrektur von 5% bis 8% kommt, wäre dies eher ein gesunder Rückgang und kein struktureller Markteinbruch; auf das Gesamtjahr betrachtet bleibt sie sowohl für den US- als auch für den europäischen Aktienmarkt zuversichtlich.

Saisonale Schwäche im September und bevorstehende Wahlen erhöhen die Marktsensibilität
Laut Bloomberg erklärte Peters im Interview, dass das Renditeniveau von 5% eine wichtige psychologische Bedeutung habe. Sobald die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe in den Bereich von 5% bis 5,25% steigt, könnte es zu einer deutlichen und unmittelbaren Reaktion am Aktienmarkt kommen.
Der aktuelle schnelle Anstieg der US-Staatsanleihen-Renditen wird vor allem durch die wachsende Inflationserwartung angetrieben. Steigende Ölpreise erhöhen die Sorge um eine Wiederbelebung der Inflation und schüren Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung durch politische Entscheidungsträger, sodass auch die langfristigen US-Staatsanleihen-Renditen wieder auf das vorherige Niveau steigen.
Peters ist der Ansicht, dass das derzeitige Zeitfenster am Markt besonders sensibel ist. Der September ist traditionell ein schwacher Monat für den S&P 500, die Gewinnimpulse aus der Berichtssaison des zweiten Quartals lassen nach und die bevorstehenden US-Zwischenwahlen könnten die Unsicherheit am Markt weiter verstärken.
Gewinnwachstum könnte sich verlangsamen, aber die Marktbasis ist stabiler
Im Vergleich zum Renditedruck bleiben die Unternehmensgewinne für Peters ein wichtiger Grund für ihre Jahresprognose.
Sie weist darauf hin, dass die Gewinnzuwächse der US-Unternehmen im zweiten Quartal bei etwa 30% und in Europa bei etwa 15% lagen – Wachstumsraten, die langfristig schwer zu halten sind, und die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schrittweise verlangsamen werden. Wichtig ist dabei, dass das derzeitige Gewinnwachstum nicht ausschließlich von Tech-Unternehmen getragen wird, sondern auch Sektoren wie Finanzen, Industrie und Versorger beitragen. Das bedeutet, die Grundlage für die aktuellen Kurssteigerungen ist breiter als früher.
Die Kernüberzeugung von JPMorgan bleibt unverändert: Ein „Superzyklus“ bei den Investitionsausgaben könnte das Gewinnwachstum in einen „Superzyklus“ führen. Regional bleibt der US-Aktienmarkt erste Wahl, während auch die Schwellenländer positiv beurteilt werden; für Europa wird eine neutrale Haltung beibehalten.
KI-Boom tritt in Phase der Renditeüberprüfung ein
Versorger gehören für Peters – neben Finanz- und Technologiesektor – zu den am stärksten bevorzugten Branchen.
Nach ihrer Auffassung treibt der Ausbau der KI-Infrastruktur die Stromnachfrage auf neue Rekordhöhen, wovon die Versorger direkt profitieren könnten. Gleichzeitig könnten jedoch Engpässe bei der Stromversorgung und der Mangel an Speicherchips als harte Begrenzung für das KI-Wachstum wirken.
Die größere Frage ist, ob die enormen Investitionen in KI letztlich auch ausreichend hohe Renditen generieren. Peters sieht darin die eigentliche „mittelfristige Bewährungsprobe“ für KI-Investments – entscheidend wird sein, ob nicht nur die Tech-Unternehmen selbst, sondern auch branchenübergreifend Unternehmen, die KI-Dienste einkaufen, genügend wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen können.
Daher ist aus Sicht von JPMorgan derzeit nicht so sehr das KI-Narrativ im Allgemeinen zu hinterfragen, sondern ob die Kombination aus hohen Bewertungen, hohen Renditen und verlangsamtem Gewinnwachstum zu einer temporären Neubewertung am Markt führen könnte.
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