Könnte das stärkste El Niño in der Geschichte bevorstehen? Barclays: Palmöl, Kautschuk und Kaffee könnten in den nächsten 18 Monaten um 30–40 % steigen
Barclays warnt, dass der Höhepunkt des aktuellen El Niño Zyklus möglicherweise 3,2°C erreichen und damit die Stärke von 2015-16 um etwa 15% übertreffen könnte – ein historischer Rekord. Angebotserschütterungen werden zunächst die Agrargebiete Südostasiens schwer treffen und sich anschließend auf Industriemetalle auswirken. Kupfer und Aluminium könnten um bis zu 20% steigen, Kraftkohlenpreise möglicherweise um 40%. In Kombination mit jahrelang unzureichenden Investitionen und kontinuierlich sinkenden Lagerbeständen zeigen sich bereits Anzeichen einer umfassenden Verknappung von Rohstoffen.
Ein außergewöhnlich starkes El Niño-Ereignis bildet sich heraus – der Rohstoffmarkt steht vor einer neuen Runde von Angebotsschocks.
Am 30. August warnte Craig Rye, Analyst für nachhaltige Investitionen bei Barclays, in seinem aktuellen Bericht, dass der tropische Pazifik-El Niño-Index zum Jahresende 2026 bis Anfang 2027 einen Höchstwert von nahe 3,2 Grad Celsius erreichen könnte – etwa 15% stärker als das extrem starke El Niño von 2015–16 – und massive Auswirkungen auf globale Agrar-, Energie- und Industriemärkte haben wird.

Im Bereich der Agrarrohstoffe erwartet Rye, dass Palmöl, Kokosöl und Kautschuk in den kommenden 18 Monaten um 30% bis 40% steigen könnten, Robusta-Kaffee um 20% bis 30%, und der Preis für Reis könnte um 10% bis 20% zulegen. Die Angebotsschocks werden sich anschließend auf Industriemetalle ausweiten; Aluminium und Kupfer könnten in 18 Monaten bis zu 20% steigen, während die Preise für Steinkohle sogar um 20% bis 40% zunehmen könnten.

Diese Warnung ist kein Einzelfall. Der Rohstoffmarkt insgesamt wird zunehmend knapper – der Quantix Total Return Rohstoffindex ist seit Ende Juni um über 22,5% gestiegen und hat damit einen historischen Höchststand erreicht. Der Index deckt 24 US-Dollar-denominierte Futures-Kontrakte ab, darunter Energie, Landwirtschaft, Viehzucht, Industriemetalle und Edelmetalle. Der ehemalige Goldman Sachs Rohstoffstratege Jeff Curri äußerte dazu kürzlich: "Die Knappheit in der Realwirtschaft ist zurück – der Traum vom Überfluss dürfte der Vergangenheit angehören."
El Niño könnte einen Rekord an Intensität erreichen – Agrarbereich besonders betroffen
Rye zitierte im Bericht Mehrfach-Modell-Prognosen des International Research Institute for Climate and Society, welche darauf hindeuten, dass der El Niño-Index dieses Mal auf nahe 3,2 Grad Celsius steigen könnte, mit einem Zeitfenster zum Jahresende 2026 bis Anfang 2027.
Wenn sich die Prognose bewahrheitet, wird die Intensität etwa 15% über dem bisher stärksten El Niño von 2015–16 liegen und somit zum stärksten El Niño-Ereignis seit Aufzeichnung werden.
Rye betont, dass mit zunehmender Zuversicht bezüglich eines historischen El Niño die Wahrscheinlichkeit signifikanter Störungen auf den Märkten für Landwirtschaft, Energie und Industrie-Rohstoffe deutlich steigt. In der Vergangenheit wurden El Niño-Ereignisse häufig von großflächigen Dürren, Überschwemmungen und extremen Temperaturen begleitet – besonders schwer traf dies bedeutende Agrarregionen in Südostasien und Zentralamerika.
Bei Agrarrohstoffen sieht Rye das Risiko insbesondere bei wetterempfindlichen Sorten. Die Hauptproduktionsregionen für Palmöl, Kokosöl und Kautschuk liegen in Südostasien und sind äußerst anfällig für Dürren und ungewöhnliche Regenfälle; Aufschläge von 30% bis 40% binnen 18 Monaten werden erwartet. Robusta-Kaffee stammt vor allem aus südostasiatischen Ländern wie Vietnam, mit erwarteten Steigerungen von 20% bis 30%. Beim Reis drohen Dürren die Ernte und Wasserversorgung in Teilen Südostasiens und Zentralamerikas zu gefährden, die Preise könnten um 10% bis 20% steigen.
Industriemetalle im Visier – Kupfer, Aluminium und Kohle betroffen
Rye warnt, dass die Angebotsschocks im Agrarsektor nicht isoliert bleiben, sondern auf Industrierohstoffe übergreifen werden. Er erwartet, dass Aluminium und Kupfer in den nächsten 18 Monaten um bis zu 20% steigen könnten, und Steinkohle um 20% bis 40% teurer werden könnte.
Der Übertragungsweg ist klar: El Niño-bedingte Dürren reduzieren die Stromproduktion aus Wasserkraft, erhöhen den Strombedarf und treiben die Strompreise nach oben – das steigert die Kosten für die Aluminiumverhüttung. Gleichzeitig stören extreme Wetterereignisse direkt den Minenbetrieb und die Hafenlogistik, was die Versorgung mit Kupfer und anderen Metallen beschneidet.
Rye betont, dass Minenschließungen, reduzierte Wasserkraft und strukturelle Veränderungen in der Stromnachfrage gemeinsam die Auswirkungen von Dürre und extremem Wetter auf die Industriemetallmärkte verstärken.
Diese Logik zeigt sich bereits im aktuellen Markt. Wie berichtet, haben Überschwemmungen in Chile zur Schließung einiger Minen geführt, Dürre in Papua-Neuguinea blockiert den Fluss Ok Tedi, womit der Versand von Kupfererz behindert wird. Der LME-Kupferpreis ist seit neun Wochen in Folge gestiegen und nähert sich historischen Höchstständen.
Mehrere Faktoren vereinen sich – Angebotsschock ist nicht nur ein Klimaereignis
Bemerkenswert ist, dass die Straffung des Rohstoffmarktes nicht allein durch El Niño verursacht wird, sondern ein Ergebnis mehrerer struktureller Faktoren ist.
Rye hebt im Bericht hervor, dass ungünstiges Wetter, jahrelange mangelnde Investitionen und weiter sinkende Lagerbestände gemeinsam einen neuen Angebotsschock auslösen – dies deckt sich auch mit der jüngsten Empfehlung von UBS an Kunden, sich “für den Aufschwung bei Rohstoffen zu positionieren”.
Aus einer makroökonomischen Perspektive ist der Quantix Rohstoffindex seit Ende Juni um über 22,5% gestiegen und hat ein neues Allzeithoch erreicht; er umfasst Energie, Landwirtschaft, Viehzucht, Industriemetalle und Edelmetalle und zeigt, dass die Preisanstiege nicht auf einzelne Rohstoffe beschränkt sind, sondern umfassend ein Straffungsmerkmal haben.

Jeff Currie bringt die Einschätzung klar und direkt auf den Punkt: "Die Illusion von Überfluss dürfte der Vergangenheit angehören."
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