IWF-Präsidentin fordert Länder auf, Haushaltsprobleme zu lösen: Zentralbanken müssen sich auf Inflationsbekämpfung konzentrieren, KI-Boom stützt Weltwirtschaft
Die IWF-Präsidentin Kristalina Georgiewa warnte am Dienstag, dass Regierungen angesichts des globalen wirtschaftlichen Drucks, hoher Inflation sowie geopolitischer Konflikte glaubwürdige fiskalische Konsolidierungspläne ausarbeiten müssen. Gleichzeitig sollten die Zentralbanken weltweit weiterhin die Inflationsbekämpfung ins Zentrum ihrer Politik stellen.
Nach Informationen der App für intelligente Finanznachrichten warnte Kristalina Georgieva, die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IMF), am Dienstag, dass die Regierungen angesichts der zahlreichen Herausforderungen wie globalem finanziellen Druck, hoher Inflation und geopolitischen Konflikten glaubwürdige Konsolidierungspläne aufstellen müssen. Die Zentralbanken weltweit sollten weiterhin die Inflationskontrolle ins Zentrum ihrer Politik stellen. Sie betonte außerdem, dass die globale Wirtschaft derzeit einen speziellen „Tauziehen“-Prozess durchläuft: Der negative Angebotsschock durch den Konflikt im Nahen Osten und der positive Nachfrageschub durch Investitionen in Künstliche Intelligenz stehen im Wettstreit zueinander.
Georgieva erklärte gegenüber Journalisten im Washingtoner IMF-Hauptquartier, dass alle Länder ihre finanziellen Herausforderungen angehen und glaubwürdige Pläne erstellen und veröffentlichen müssen, um sicherzustellen, dass Staatsverschuldung und Defizite auf einem nachhaltigen Kurs bleiben.
Bezüglich der Geldpolitik betonte sie, dass die Zentralbanken sich „hochkonzentriert“ auf die Preisstabilität als Kernaufgabe fokussieren müssen. Solange die Inflation nicht vollständig unter Kontrolle gebracht ist, dürfen die Zentralbanken nicht zu früh die Vorsicht lockern.
Georgieva erklärte, dass trotz anhaltender Auswirkungen durch hartnäckige Inflation und Spannungen im Handel die globale Wirtschaft bisher weiterhin resilient agiert; ein wichtiger Grund dafür ist das beträchtlich gestiegene Investment im Bereich Künstliche Intelligenz.
Die Errichtung von KI-Infrastruktur sorgt für enorme Investitionsausgaben und bringt neuen Schwung für das globale Wirtschaftswachstum. Georgieva wies jedoch darauf hin, dass die weltwirtschaftlichen Aussichten weiterhin von hoher Unsicherheit geprägt sind. Der jüngste Anstieg der globalen Anleiherenditen sowie die langsamen Fortschritte beim Rückgang der Inflation zeigten, dass die Märkte weiterhin unter erheblichem Druck stehen.
Im Juli dieses Jahres ließ der IMF die Prognose für das globale Wirtschaftswachstum im Wesentlichen unverändert und erwartet für 2026 ein Wachstum von etwa 3 %. Allerdings hob die Institution damals angesichts steigender Energie- und Lebensmittelpreise die Prognose für den weltweiten Verbraucherpreisanstieg an. Die jährliche IMF-Konferenz findet im Oktober in Bangkok statt, wo die aktuellste globale Wirtschaftseinschätzung vorgestellt wird.
Zu den beiden Hauptkräften, die die globale Wirtschaft derzeit prägen, lieferte Georgieva eine bildhafte Beschreibung. Sie erklärte, dass die durch den Iran-Krieg ausgelösten Energieschocks noch nicht vorbei seien. „Kurz gesagt, wir erleben tatsächlich ein Tauziehen – auf der einen Seite negative Angebotsschocks aus dem Nahen Osten, auf der anderen Seite positive Nachfrageschübe durch KI.“
Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Energiekosten in die Höhe und stört Lieferketten, was einen negativen Angebotsschock für die Weltwirtschaft bedeutet. Gleichzeitig schaffen Tech-Unternehmen durch umfassende Investitionen in KI-Chips, Rechenzentren, Stromversorgung und zugehörige Infrastruktur kontinuierlich neue Nachfrage und stützen damit das Wirtschaftswachstum.
Diese Kombination sorgt auch für eine komplexere politische Lage der Zentralbanken weltweit. Einerseits könnten Energieangebotsschocks die Inflation weiter steigen lassen; andererseits könnte die KI-Investitionswelle die Nachfrage stark halten und damit die Abkühlung der Inflation erschweren.
Georgieva führte außerdem eine Reihe potenzieller Risiken auf, denen die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten gegenübersteht. Mit Beginn des Winters auf der Nordhalbkugel könnten sinkende Öl- und Gasvorräte den Druck auf die Energieversorgung erhöhen. Gleichzeitig könnte das ausgeprägte El Niño-Wetter globale landwirtschaftliche Produktion beeinflussen und die Lebensmittelversorgung weiter belasten.
Darüber hinaus verfolgt der IMF aufmerksam, welche Auswirkungen das schnelle Wachstum von KI auf die Finanzstabilität haben könnte. Georgieva betonte, dass angesichts dieser Risiken Regierungen und Zentralbanken „keinen Grund zur Selbstzufriedenheit“ haben. Obwohl die globale wirtschaftliche Entwicklung bisher „nicht schlecht“ war, bedeutet das nicht, dass die kommenden Rahmenbedingungen einfacher werden.
Diese Woche nimmt Georgieva erstmals am jährlichen geldpolitischen Symposium der Federal Reserve in Jackson Hole, Wyoming, teil. Während der Konferenz wird Fed-Präsident Wosch seine erste wichtige Rede seit seinem Amtsantritt halten. Die Märkte werden genau beobachten, welche Hinweise es für den weiteren Verlauf der Zinssätze gibt.
Vor dem Hintergrund einer weiterhin über dem Ziel liegenden Inflation, hohem langfristigem Anleiherenditen und zunehmenden globalen finanziellen Belastungen wird der Balanceakt der führenden Zentralbanken zwischen Wirtschaftswachstum und Preisstabilität zum Hauptfokus des Treffens.
Georgieva zeigte sich zudem zuversichtlich, dass der IMF seine Überwachungs- und Bewertungsansätze für Mitgliedsländer anpasst, künftig mehr auf Szenarioanalysen und Notfallplanung setzt, damit die Länder flexibler auf potenzielle Schocks in einer zunehmend unsicheren Welt reagieren können.
Insgesamt ist Georgieva überzeugt, dass die KI-Investitionswelle hilft, einige Energie- und geopolitische Schocks abzumildern, aber dies reicht nicht aus, um die Risiken aus Finanzen, Inflation und Märkten auszuschalten. Die Regierungen sollten Schulden- und Defizitsituation verbessern, während die Zentralbanken weiterhin vorrangig die Preisstabilität wiederherstellen müssen.
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